RSS Feed

Posts Tagged ‘Kalahari des Westens (KaDeWe)’

  1. Mit dem Rad durch die Kalahari des Westens (KaDeWe)

    Mai 4, 2012 by clausi

    Knirschend wühlen sich die grobstolligen Reifen meines Mountainbikes durch die notdürftig geschotterten Pisten des Görlitzer Nationalparks. Die Regenzeit ist vorbei und kaum haben sich die ersten Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke gebohrt, erwacht das Leben im Nationalpark.

    Von Ferne her hört man die Trommeln des Volksstammes der lesbischen Tätoinen und Stadtschamanen, die vor den Höhlen im Osten des Parks das Fruchtbarkeitsfest feiern. Sie beten zu ihrem Gott Vegan und bringen den ein oder anderen Dinkeldöner als Opfer dar.

    Am Eingang des Parks bereiten die Einheimischen uns ein schmackhaftes traditionelles Hühnergericht zu, welches von weit her am Geruch zu erkennen ist. Letzte Möglichkeit, die Trinkbeutel zu füllen und sich auf den beschwerlichen Weg durch den Nationalpark zu machen. An der letzten Tankstelle vor dem Parkeingang füllen wir noch einmal unsere Vorräte auf und machen uns auf den Weg.

    Direkt im östlichen Teil der Harnröhrensenke am Rande des riesigen Vulkankraters haben sich die Männer nach der Dönerjagd versammelt um im aufkommenden Nebel fleischgeruchgeschwängerter Grillschwaden die erfolgreiche Jagd zu feiern. Der Wind trägt Gerüche und Klänge des Bosporus zu uns herüber, den Einwanderer aus dem fernen Orient mit in das Land gebracht haben.

    Kaluri und Nube Owambemambele haben ihren kleinen Drogeriehandel am Wasserlauf des nördlichen Urinar aufgebaut, am Nebenlauf des durch das Hundepfuhltals verlaufenden Trockenflusses der manchmal Wasser und einige Fahrradgestelle früherer Expeditionen zu Tage fördert, bieten sie den Reisenden dort manche medizinische und berauschende Erfrischung an.

    Etwas weiter flussabwärts führt der Weg durch das Tal der Arbeitslosen, die am Wegesrand ihre Klagelieder singen und sich am vergorenen Gerstensaft berauschen. Sie unterhalten sich in eine gutturalen Lautsprache die aus uns bekannten Wortfetzen wie “..auze”, “..nahause”, “..eisse alter” oder “..stemanemark” klingen, deren Bedeutung wir aber anhand der taumelnden Gestik nicht entziffern konnten.

    Vor fast einem Jahrhundert, als die ersten Siedler krumme Bahngleise in das karge Land schlugen, entstanden die beeindruckenden Siedlungen, die heute den Besucher zum Verweilen einladen. In den von einheimischen liebevoll mit bunten Farben bemalten Hütten findet der Reisende heute manche nützliche Kolonialwaren. Wer hier rastet, bekommt von einem österreichischen Auswanderer unerwartete Kulinarien, zubereitet aus Wildfleisch des ostaugustinischen Zuchtrinds und vergorenem Gerstensaft, kann ausruhen von den Strapazen der Reise. Gerade die abgelegene Lage dieser Einöde macht diesem Ort zu einem fast mystischen Erlebnis.

    Wir machen einen kleinen Abstecher in die antike Sandarena von Pamukalebeton und wohnen dem traditionellen Ringkampf der Halbwüchsigen Wölfe bei. Auch wenn die verwitterten Ruinen an alte Zeiten erinnern, wo Prunk die tristen Parklandschaften säumen sollte, hat die Ruinenstadt nichts von ihrem einst teuren Charme eingebüsst.

    Entlang der alten Bahnline führt unsere Reise entlang der kargen Sandwüste und durch das Harnröhrental. Wir statten den im südöstlichen Teil des Nationalparks liegenden Höhlen von Göran Döner am Fuß des Scherbenberges noch einen Besuch ab. Die beeindruckenden Höhlenmalereien und überall zu findenden rituellen Grabbeigaben wie gläserne Karaffen und Scherben antiker Gefäße faszinieren selbst den hartgesottensten Kulturmuffel.

    Unser Weg führt schließlich über die verwitterte Brücke am breiten Fluß in das Dorf der alten Siedler, die heute in alter Tradition einiges Kunsthandwerk zu bieten haben.

    Hier treffen wir auf Charlie, einen Veteranen vergessener Tage der immer gut gelaunt religiöse Figuren aus einem Stück Wurzel schnitzt. Wir hören alte Geschichten von vergessenen Tagen wo einst die aufständischen Revolutionäre im Mai eines jeden Jahres daran erinnern wollten, dass das Etablissement seine Schattenseiten hatte und Krieg führten gegen die reichen Großgrundbesitzer. Was einst im Kampf gewonnen, ist heute eine profane Touristenattraktion und hat längst den einstigen Charme der Revolution eingebüsst. Reisebusse und ein multikulureles Sprachgemisch einfallender Reisegruppen zeugen längst davon, dass die Zivilistaion nicht still steht.

    Einsame Wölfe streifen durch die Wälder auf der Suche nach Nahrung während sich der ein oder andere Sandteufel den Weg durch die staubige Senke bahnt. Unsere Reise neigt sich dem Ende, als wir die befestigte Strasse am Flussufer erreichen, Zeit unsere Trinkflaschen zu füllen und sich auf den Heimweg zu machen. Die Kalahari des Westens und der Görlitzer Nationalpark sind immer eine Reise wert, besonders nach der Regenzeit, wenn die Wege noch feucht, das Gras im satten Grün erstrahlt und die tiefgefrorenen Hundehäufchen bereits aufgetaut sind lohnt sich die Reise.