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‘Reiseberichte’ Category

  1. Gähn-O-Zid: Ein Abend im Feierkiez

    April 22, 2016 by clausi

    Früher konnte man ja in seinem Bezirk noch unbehelligt einige Feierabendbier zischen. Ach wie schön war es doch dass man sich mit den, ihre Amtskohle verhartzenden Zyklopen (das sind die versoffenen Mitzischer, die den Absprung vom Kreuzberg der 68er nicht richtig hinbekommen haben), über völlig belangloses Zeugs unterhalten konnte.

    Spätestens seit der Heiligsprechung von Steve Jobs als Heilsbringer unserer Zeit ist es damit ja vorbei. Weg sind sie die politisch Engagierten, die Lamentierer, die Idealisten, die Laienprediger des ewigen Sozialismus.

    Am Nachbartisch unterhält sich nun ein kunstbeglatzter Junghipster über seinen neuen Job:
    “Ich bin ja jetzt Head of Operations bei Visual Thrombotics”. Die Blümchenhosenschnecke an seinem Tisch kuckt kurz vom Handy auf ist aber prinzipell eher begeistert. Der interessierte Belauscher erfährt nun noch, dass der Beglatzte jetzt von einem Supplier zum Mittagessen eingeladen wurde in der Hoffnung, vielleicht noch einige Revenues leveragen zu können.
    Die übrigen Tischbewohner wischen wie irre auf ihren winzigen Mäusekinos herum, es müssen noch schnell ein paar E-Mülls bearbeitet werden. Scheint ja ein netter Abend zu sein!

    Nur ein vorbeiziehender Rollkoffer stört kurz den ohne Unterlass anhaltenden Ich-Monolog durch kräftiges Asphaltrumpeln chinesischer Plastikrollkofferplastikrollen dann wende ich mich dem anderen Nachbartisch zu.

    Dort häkeln zwei junge Schnösel mit betont ernstem Blick über ihren Tablet. Hmm mal sehen. Habe ich es mir gedacht: Hier wird gerade ein hochinteressanter Businessplan geschmiedet – schliesslich muss man ja mal die Akzeptanz seiner Geschäftsidee in der Öffentlichkeit ausprobiert haben. Aber wenigstens reden die nicht so viel. Jetzt kommt meine Zeit! In einer kurzen Redepause nutze ich die Gelegenheit zur Intervention.

    “Det hättick nich so jemacht!” nöle ich dem Tabletduo zu. Mal sehen was passiert.

    Der eine Typ, ein gestriegelter Laffe guckt hoch. Fragender Blick.

    “Na mit dem Klickquickgamecollectors.com Communitydings und so.” sage ich. “Wasch solln daran bled sein, wenn leit ihr gebrauchte Schpiele über ne Hendyabb tausche kenne?” antwortet der gelaffte.

    Der Tekkietyp neben ihm guckt wie ein Preisboxer kurz vorm Gong. “Und über desch Schpeedmadsching krigema suba naus wer desch no braucht un den machemer ne reverseaugdschn draus un verdiene noma.”

    “Nee klar” sag ich und wende mich wieder intensiv meiner Gerstenkaltschale zu indem ich meiner geschundenen Speiseröhrenschleimhaut einen kräftigen Schluck gehopfte Feuchtigkeitscreme gönne. Diese bedankt sich sogleich mit einem kräftgen Blurbsen aus dem Hochsäuerland.

    Ich wollte gerade zu einer weiteren fachlich hochwertigen Wirtschaftsanalyse der wirklich veritablen Geschäftsidee ansetzen, da höre ich Akkordeonklänge: “Besame Mucho” in der rumänischen Two-Beat Version in einem nie enden wollendem Potpouri mit der aus dem Film Lovestory bekannten Schicksalsmelodie in die sich hin- und wieder Elemente des einstigen Gassenhauers “Amor Amor” hineinmengen.

    Die Gelegenheit meinen multikulturellen Musikhintergrund zu erweitern!

    Als der Barde mit verknickertem Gesicht und einem ebenso gestalteten Pappbecher vor mir steht um seinen für die öffentliche Probe anfallenden Schmerzbonus einzufordern, frage ich ihn, wo er denn herkomme — und auf die Antwort
    ‘Romenia’ bitte ich ihn, doch mal was aus seiner Heimat zu spielen nicht sowas Nachgemachtes.

    Während ein weiterer Rollkoffer panzerbrigadenmäßig vorbeidonnert, zieht ein breites Lächeln über sein Gesicht und er bietet eine innbrünstige Version von “Djelem-Djelem” inklusive herzzerreißendem Gesang dar.

    Damit habe ich wohl den Musikgeschmack der Gadgeteers getroffen, die es normalerweise gewohnt sind, frequenzbandreduzierte Musik unter Anwendung des nichtlinearen Spektrums von Minaturverstärkern per Ohrstöpsel direkt unter die Hirnrinde zu injizieren. Die Gespräche um mich herum verstummen und alle lauschen dem Barden, der für gewöhnlich nur eines missbilligenden Blickes gewürdigt wird.

    Während sich der Barde in den Koloraturen des ungeradzahligen 7/8 Rythmus rumänischer Musik ergeht – die er im Übrigen wirklich perfekt ausführt – sehe ich aus dem Augenwinkel eine Frau im Schlafanzug auf ihn zustürzen.

    Der nachfolgende Schwall aus “Ei desch geht wo net, desch isch jo scho zähne dur….un wenner net uffhert….lizei…” lässt die Musik jäh unterbrechen… Nee komm lassma, echt…mischt sich der Wirt dazu. Unter Zusammenbruch der Luftsäule im ramponierten Akkordion findet die Darbietung mit einem stöhngleichen Quäkton ein für meinen kulturellen Anspruch ein zu jähes Finale.

    Ich werfe dem Barden ein Achselzucken zu, gebe ihm einen großzügigen Obulus in seinen Pappbecher der neben Kleingeldsammelarbeiten offensichtlich hin und wieder auch für Ölwechsel benutzt wird. Er lächelt mich an und reicht mir zum Abschied die Hand – Grundlage für jede Geschäftsbeziehung – Ich hoffe er kommt öfter mal, ich kenne noch ein paar Gassenhauer.

    Mit dem Hinweis darauf, dass Kreuzberg wohl doch kein Luftkurort ist, bestelle mir ein neues Bier.


  2. Aus Angst vor Anschlägen: ASU verbietet leere Hose auf Flügen

    Juli 16, 2014 by clausi

    Wer künftig mit einem Direktflug in die ASU plant, sollte darauf achten, dass die Hose gestrichen voll ist. Sonst kann man womöglich nicht mitfliegen. Diese neue Sicherheitsmaßnahme soll vor Konfetti- und Arschbomben schützen – und kann Passagiere extrem nerven.

    Die ASU verbieten aus Sorge vor Anschlägen künftig bei bestimmten Direktflügen aus Europa leere Hosen. Das gelte auch bei Flügen, die von bestimmten Flughäfen in Europa, Mitropa dem Nahen Osten und Afrika in die ASU starten, teilte die Behörde für Transportsicherheit (TSA) mit.

    Sicherheitsbeamte könnten Fluggäste auffordern, ihre Hosen auszuleeren. Sollten Fluggäste nichts vorzuweisen haben, dürften sie nicht mit an Bord genommen werden, hieß es in einer kurzen Mitteilung der TSA, in der keine weiteren Details genannt wurden. Entsprechende Plastikschälchen und Abführzäpfchen würden derzeit bereit gestellt, teilte die Flughafengesellschaft BÄR und das Inneministerium mit. Über die Abgabe von Flüssigkeiten werde derzeit diskutiert.

    Die ASU-Regierung hatte am Mittwoch verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen mit Direktverbindungen in die ASU angekündigt.
    Hintergrund ist nach Angaben von Insidern die Sorge, dass sich Kei-Alda-Mitglieder in Syrien und Jemen zur Entwicklung von Konfettibomben zusammengeschlossen haben, die an Bord von Flugzeugen geschmuggelt werden könnten.


  3. Stupidity schickt erste Bilder vom Pluto

    August 9, 2012 by clausi

    IMAG0191.Marsrover

    Während “Curiosity” noch den Mars erkundet haben wir vom Bullshit Team bereits erste Ergebnisse der neuen Mission der Nachfolgemission “Stupidity” bekommen.

    Die geschickten, hochauflösenden Bilder faszinieren die Forscher: “Wir hätten nicht geglaubt, dass auf dem Pluto derartig interessante Landschaften zu finden sind” sagt Jim Beam, Leiter der Forschungsabteilung der NOGO.  Seit gut einem Jahr befindet sich die Sonde im Landeanflug und funkt ununterbrochen Bilder von dem nicht einmal als richtiger Planet anerkannten Himmelskörper. Zum Einsatz kommt eine neue Technologie, IDIOT (Indeterministic Detailed Imaging Object Targeter) mit der erstmals gestochen scharfe Bilder von verschiedenen Dingen gemacht werden können.

    Auch gibt es erste Hinweise darauf dass sich auf dem ehemaligen Planeten eine Kultur befunden haben muss (Siehe Bild) Mehrere Bilder zeigen den Plutoboden an der Landestelle im Takatuka-Krater, leider sind die Bilder noch etwas verschwommen, da die Deppen vom Bodenteam die Staubkappe auf der Linse gelassen haben. “Das werden wir dank einigen Milliönchen Steuergeldern sicher noch fixen können” ist Jim Beam sich sicher.

    Derweil arbeitet das Team daran, das im Roboter verbaute iPhone per Softwareupgrade wieder in Betrieb zu nehmen, da noch in letzter Sekunde nach dem Simulationstest auf der Erde ein Upgrade der eigens entwickelten iPlanetExplorer-App eingespielt werden musste:

    Wir vom Bullshit-Team bleiben jedenfalls dran an dieser hochinteressanten Forschung.

     

     

     


  4. Mit dem Rad durch die Kalahari des Westens (KaDeWe)

    Mai 4, 2012 by clausi

    Knirschend wühlen sich die grobstolligen Reifen meines Mountainbikes durch die notdürftig geschotterten Pisten des Görlitzer Nationalparks. Die Regenzeit ist vorbei und kaum haben sich die ersten Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke gebohrt, erwacht das Leben im Nationalpark.

    Von Ferne her hört man die Trommeln des Volksstammes der lesbischen Tätoinen und Stadtschamanen, die vor den Höhlen im Osten des Parks das Fruchtbarkeitsfest feiern. Sie beten zu ihrem Gott Vegan und bringen den ein oder anderen Dinkeldöner als Opfer dar.

    Am Eingang des Parks bereiten die Einheimischen uns ein schmackhaftes traditionelles Hühnergericht zu, welches von weit her am Geruch zu erkennen ist. Letzte Möglichkeit, die Trinkbeutel zu füllen und sich auf den beschwerlichen Weg durch den Nationalpark zu machen. An der letzten Tankstelle vor dem Parkeingang füllen wir noch einmal unsere Vorräte auf und machen uns auf den Weg.

    Direkt im östlichen Teil der Harnröhrensenke am Rande des riesigen Vulkankraters haben sich die Männer nach der Dönerjagd versammelt um im aufkommenden Nebel fleischgeruchgeschwängerter Grillschwaden die erfolgreiche Jagd zu feiern. Der Wind trägt Gerüche und Klänge des Bosporus zu uns herüber, den Einwanderer aus dem fernen Orient mit in das Land gebracht haben.

    Kaluri und Nube Owambemambele haben ihren kleinen Drogeriehandel am Wasserlauf des nördlichen Urinar aufgebaut, am Nebenlauf des durch das Hundepfuhltals verlaufenden Trockenflusses der manchmal Wasser und einige Fahrradgestelle früherer Expeditionen zu Tage fördert, bieten sie den Reisenden dort manche medizinische und berauschende Erfrischung an.

    Etwas weiter flussabwärts führt der Weg durch das Tal der Arbeitslosen, die am Wegesrand ihre Klagelieder singen und sich am vergorenen Gerstensaft berauschen. Sie unterhalten sich in eine gutturalen Lautsprache die aus uns bekannten Wortfetzen wie “..auze”, “..nahause”, “..eisse alter” oder “..stemanemark” klingen, deren Bedeutung wir aber anhand der taumelnden Gestik nicht entziffern konnten.

    Vor fast einem Jahrhundert, als die ersten Siedler krumme Bahngleise in das karge Land schlugen, entstanden die beeindruckenden Siedlungen, die heute den Besucher zum Verweilen einladen. In den von einheimischen liebevoll mit bunten Farben bemalten Hütten findet der Reisende heute manche nützliche Kolonialwaren. Wer hier rastet, bekommt von einem österreichischen Auswanderer unerwartete Kulinarien, zubereitet aus Wildfleisch des ostaugustinischen Zuchtrinds und vergorenem Gerstensaft, kann ausruhen von den Strapazen der Reise. Gerade die abgelegene Lage dieser Einöde macht diesem Ort zu einem fast mystischen Erlebnis.

    Wir machen einen kleinen Abstecher in die antike Sandarena von Pamukalebeton und wohnen dem traditionellen Ringkampf der Halbwüchsigen Wölfe bei. Auch wenn die verwitterten Ruinen an alte Zeiten erinnern, wo Prunk die tristen Parklandschaften säumen sollte, hat die Ruinenstadt nichts von ihrem einst teuren Charme eingebüsst.

    Entlang der alten Bahnline führt unsere Reise entlang der kargen Sandwüste und durch das Harnröhrental. Wir statten den im südöstlichen Teil des Nationalparks liegenden Höhlen von Göran Döner am Fuß des Scherbenberges noch einen Besuch ab. Die beeindruckenden Höhlenmalereien und überall zu findenden rituellen Grabbeigaben wie gläserne Karaffen und Scherben antiker Gefäße faszinieren selbst den hartgesottensten Kulturmuffel.

    Unser Weg führt schließlich über die verwitterte Brücke am breiten Fluß in das Dorf der alten Siedler, die heute in alter Tradition einiges Kunsthandwerk zu bieten haben.

    Hier treffen wir auf Charlie, einen Veteranen vergessener Tage der immer gut gelaunt religiöse Figuren aus einem Stück Wurzel schnitzt. Wir hören alte Geschichten von vergessenen Tagen wo einst die aufständischen Revolutionäre im Mai eines jeden Jahres daran erinnern wollten, dass das Etablissement seine Schattenseiten hatte und Krieg führten gegen die reichen Großgrundbesitzer. Was einst im Kampf gewonnen, ist heute eine profane Touristenattraktion und hat längst den einstigen Charme der Revolution eingebüsst. Reisebusse und ein multikulureles Sprachgemisch einfallender Reisegruppen zeugen längst davon, dass die Zivilistaion nicht still steht.

    Einsame Wölfe streifen durch die Wälder auf der Suche nach Nahrung während sich der ein oder andere Sandteufel den Weg durch die staubige Senke bahnt. Unsere Reise neigt sich dem Ende, als wir die befestigte Strasse am Flussufer erreichen, Zeit unsere Trinkflaschen zu füllen und sich auf den Heimweg zu machen. Die Kalahari des Westens und der Görlitzer Nationalpark sind immer eine Reise wert, besonders nach der Regenzeit, wenn die Wege noch feucht, das Gras im satten Grün erstrahlt und die tiefgefrorenen Hundehäufchen bereits aufgetaut sind lohnt sich die Reise.